Support-Zeiträume von Linux-Distributionen im Vergleich

Ein Windows-Admin hat es doch sehr leicht: Für (fast) jede Windows-Version gibt es rund 10 Jahre lang Updates, die natürlich auch Sicherheitsupdates umfassen. Manchmal ist Hersteller Microsoft auch großzügiger, wie z.B. bei Windows XP oder NT 4.

Über das Ende des offiziellen Support-Zeitraumes informieren dann noch die Massenmedien, so dass auch der letzte Mäuseschubser das letzte Stündlein seines Windows-Betriebssystems mitbekommt.

Wie sieht es nun mit den ganzen Linux-Distributionen aus? Wie lange gibt es Updates für welche Distribution?

Diese Fragen beantworten wir Ihnen mit der folgenden Aufstellung für alle Linux-Distributionen, die IWT-Engelmann regelmäßig anpackt:

Arch Linux

Arch Linux

Arch Linux ist ein sogenanntes „Rolling-Release“. Einmal installiert, genügt es, alle verfügbaren Updates mit dem Paketmanager einzuspielen. Dabei kommen nicht nur Sicherheits-Updates in den Rechner, sondern auch neue Programm- und Kernelversionen. Somit ist das System stets auf dem aktuellen Stand. Nachteil dieser Methode: Bei installierten Server-Komponenten kommt es hin und wieder vor, dass die Konfigurationsdateien manuell angepasst werden müssen, damit der Betrieb auch wirklich reibungslos weiterläuft. Für den produktiven Einsatz ist ein Rolling-Release damit definitiv nicht das Richtige – aber das kennen wir ja von Windows 10.

CentOS

CentOS

Hinter CentOS verbirgt sich ein Klon des Red Hat Enterprise Linux. On-top gibt es 10 Jahre lange Updates für alle installierten Pakete, so dass man vor einem kompletten Distributionsupdate lange genug Ruhe hat. Somit ist CentOS prädestiniert für den kostenlosen Einsatz als Server-Betriebssystem. Auch IWT-Engelmann nutzt CentOS in zahlreichen Installationen. Die aktuelle Version trägt die Nummer 6.

Debian

Debian Linux

Generell erscheint eine neue Version des stabilen Debian etwa alle 2 Jahre. Dann wird das Upgrade nötig. Recht neu ist die Variante Debian LTS (das LTS steht für Long Term Support) mit 5 Jahren Updates. Die Aktualität hinkt jedoch gelegentlich der aktuellen Stable-Version (9.4) hinterher.

 

elementary OS

elementary OS

Wer Apples MacOS X liebt, wird bei elementary OS wohlfühlen, denn die Oberfläche ähnelt dem Apfel-Produkt sehr. Als Basis für die installierten Pakete dient die LTS-Version von Ubuntu. Somit sind rund 5 Jahre Updates sichergestellt. Aktuelle Version: 0.4.1

Linux Mint

Linux Mint

Auch hinter Mint stecken die Pakete von Ubuntu LTS mit 5 Jahren Update-Support. Mint bringt zahlreiche unfreie Audio- und Video-Codecs gleich mit. Außerdem ist die Desktopumgebung Cinnamon richtig chic. Umsteiger von Windows sollten daher unbedingt einen Blick auf Mint werfen, denn die Umgewöhnungszeit wird außerordentlich kurz ausfallen. Bei IWT-Engelmann ist Linux Mint das am meisten genutzte und installierte Linux. Aktuelle Version: 18.3

Mageia Linux

Mageia Linux

Zuerst gab es Mandrake, dann nannte man es Mandriva und nach dessen Ende gründeten die Entwickler nun Mageia. Die französische Linux-Distribution wird regelmäßig von einer Community aktualisiert, so dass keine wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens im Wege stehen. Bei den Desktopumgebungen hat man freie Auswahl: KDE, Gnome, Cinnamon, Mate usw. sind mit an Bord. Eine neue Distribution erscheint nach rund 18 Monaten, so dass regelmäßig an die Installation des Upgrades gedacht werden muss. Das disqualifiziert Mageia noch für den professionellen Einsatz. Wir nutzen es aber regelmäßig als Schulungsbetriebssystem. Aktuell ist die Version 6 seit Mitte 2017 zu haben.

openSUSE

openSUSE

Das deutsche Linux-Urgestein gibt es in zwei Editionen. Die Variante „Leap“ wird, genau wie Mageia, alle 18 Monate erneuert. Mit der Variante „Tumbleweed“ erhält man ein Rolling-Release und spart sich regelmäßige Neuinstallationen. Zu den Nachteilen eines Rolling-Releases haben wir bereits unter dem Punkt „Arch Linux“ Stellung bezogen. Für den produktiven Einsatz empfehlen wir beide Systeme nicht. Zum Ausprobieren und als Grundlage für unsere Linux-Schulungen ist openSUSE ideal.

Red Hat Enterprise Linux

Red Hat wird in einer Art Abo angeboten und ist kostenpflichtig. Dafür erhält aber 10 Jahre Updates und Support durch Red Hat. Mit dem „Extended Lifecycle Support“ kann man diese Zeit sogar auf 13 Jahre ausweiten. Red Hat ist ideal für den professionellen Einsatz in kritischer Infrastruktur. Diese Distribution gibt es für Server und für Desktops.

SuSE Linux Enterprise

Auch die Enterprise-Variante von SuSE ist kostenpflichtig und bietet bis zu 10 Jahre bzw. mit entsprechenden Supportvertrag bis zu 13 Jahre Updates und Support. Genau, wie Red Hat, sind Editionen für Server und Desktops erhältlich. Auch SuSE ist absolut qualifiziert für den professionellen Einsatz in kritischer Infrastruktur. Daher wird es auch vielfach vom Militär und der Kriegsmarine eingesetzt.

Ubuntu LTS

ubuntu Linux

Ähnlich, wie Mageia und openSUSE, wird das klassische Ubuntu alle 18 Monate neu aufgelegt. Die LTS-Versionen von Ubuntu kommen hingegen mit 5 Jahren Updates. Das passt gut für die durchschnittliche Nutzungszeit eines Arbeitsplatz-PCs. Hinter Ubuntu steckt die Firma Canonical, die für die nötige Professionalität sorgt. Dank einer großen Auswahl an Desktopumgebungen ist für jeden Anwender das Richtige dabei.

Übersicht Linux-Support-Zeiträume

Zusammenfassung:

Die Auswahl der Linux-Distribution sollte man durchaus von der Support-Dauer abhängig machen.

  1. Wer immer die neueste Software haben möchte und gleichzeitig damit leben kann, dass hin und wieder Konfigurationsdateien angepasst werden müssen und sich die Optik des einen oder anderen Programms ändert (wer diese Nachteile also auch bei Windows 10 toleriert), der sollte zu einem Rolling-Release greifen. Da sind Arch Linux und openSUSE Tumbleweed richtig. Einsteiger werden mit openSUSE besser fahren, da bei Arch vieles Handarbeit ist.
  2. Wer für kurzfristige Projekte, Schulungen oder Präsentationen ein wenige Standhaftigkeit (18-24 Monate) benötigt, der sollte einen Blick auf Debian Stable, Mageia oder openSUSE Leap werfen.
  3. Für den Unternehmenseinsatz empfehlen wir eine der LTS-Versionen von Ubuntu, Mint, elementary OS oder eben CentOS. Dabei kann man sich auf 5 bis 10 Jahre Versorgung mit Updates freuen.
  4. Sobald es aber um absolute Verlässlichkeit in Unternehmen, Verwaltungen oder beim Militär geht, führt kein Weg an den kommerziellen Versionen von Red Hat Enterprise Linux bzw. SuSE Linux Enterprise vorbei.

 

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